Fünfzehn Tage Kenia live – ein Abenteuerurlaub der anderen Art
Tinderet. Nach monatelanger Planung war es Ende Mai endlich soweit. Aus der Idee einer Patenfreizeit wurde Wirklichkeit. Acht Paten unserer Kinderheimkinder kamen uns für zwei Wochen in Kenia besuchen, um eine andere Art von Urlaub zu erleben. Für einige von ihnen war es das erste mal in Afrika, aber auch für die Anderen war es ein großes Abenteuer voller bewegender Begegnungen, atemberaubender Natur und bleibenden Eindrücken.
Schon die Ankunft auf dem Flughafen in Nairobi war eine spannende Sache. Wir fragten uns: was wird uns erwarten, was für Menschen sind das, die ihren Urlaub dazu verwenden ihr Patenkind in Afrika zu besuchen? Schon der Anmeldebogen versprach eine Interessante Mischung von Leuten jeden Alters und Berufs. Von der Polizistin bis zur Altenpflegerin, im Alter von zwanzig bis fünfunkfünfzig, war alles dabei. Doch wir haben uns von Beginn an gut verstanden und nachdem wir die erste Strecke vom Flughafen auf die DIGUNA Station in Mbagthi gut überstanden hatten, konnten wir uns bei Kaffee und Keksen zuerst einmal etwas besser kennen lernen. Nach einer kurzen Einführung in kulturelle Dinge und in unser Programm durch die Mitarbeiter von DIGUNA, ging es auch schon los mit einer Stationsführung über das Gelände der Missionsstation in Mbagathi auf der wir die ersten Tage untergebracht waren. Dabei konnte schon einmal etwas DIGUNA Luft geschnuppert und die ein oder andere Info über die Geschichte und die Arbeitsweise von DIGUNA aufgeschnappt werden.
Die Ersten Tage verbrachten wir in der Metropole Nairobi, auf Einkaufsmärkten, im Schlangenpark und bei den abenteuerlichen Fahrten durch die Stadt gab es viel zu entdecken. Unsere Besucher hatten viel Spaß bei ihren ersten versuchen im Handeln und bei den Begegnungen mit Großstadtkenianern aller Art.
Am Sonntag besuchten wir den englischen Gottesdienst der Afrika Inland Kirche in Rongai. Später ging es dann zum ersten mal so richtig auf Safari. Über die grünen Ngong Hills, durch die Steppe der Masai, dem Lake Magadi entgegen. Dort angekommen erlebten wir zum ersten mal so richtig afrikanische Temeperaturen. Der See selbst kam dem Anspruch „Insider Tipp" nicht ganz nach, aber schon allein die Fahrt dort hin, durch drei unterschiedliche Klimazonen, machte den Ausflug zu einem interessanten Erlebnis. Auf dem Rückweg hatten wir unsere einzige kleine Panne, als das Kupplungsgestänge unseres Kleinbusses eine Schraube verlor und wir unsere Reise im dritten Gang fortsetzten mussten. Das Problem konnte dann aber mit etwas Draht doch gelöst werden und so erreichten wir Mbagathi noch rechtzeitig vor der Dunkelheit.
Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von der Weltstadt Nairobi und aufzubrechen nach Tinderet. Bei der Fahrt am Rande des Great Rift Valleys gab es viel zu entdecken und schon allein die sechsstündige Fahrt nach Tinderet brachte mehr Abwechslung als je eine Satellitenschüssel in deutsche Wohnzimmer.
In Tinderet angekommen, ging es los mit einer Stationstour und einem Einführungsseminar der Kinderheimleiterin Sally Schuster. Zum Abendessen gab es dann die erste Begegnung mit den Kindern. Beim gemeinsamen Abendessen dauerte es nicht lange bis die Kinder die Herzen ihrer Paten erobert hatten. Manche Kinder waren natürlicherweise eher schüchtern, aber man merkte gleich wie sie sich freuen und nach den ersten gemeinsamen Fotos und spontanen Gruppenspielen war das Eis auch schon gebrochen und die emotionale Verbindung war trotz aller sprachlichen Schwirikeiten hergestellt.
Die Woche in Tinderet verbrachten wir mit Ausflügen zur nahegelegenen Teefabrik, nach Kisumu an den Lake Victoria und natürlich in gemeinsamen Aktivitäten mit den Kindern. Höhepunkte waren der Besuch bei Tagesschülern in unserer Nachbarschaft und die große Sommerparty am Samstag nachmittag. Die Armut der Familien unserer Tagesschüler nahm unsere Gäste ganz schön mit, aber auch sonst gab es jeden Tag viele neu Eindrücke zu verarbeiten und wir Mitarbeiter bemühten uns jede Frage so gut wie möglich zu beantworten. Zum Abschied aus Tinderet floss so manche Träne, bevor wir nach einer Woche weiter nach Ngechek zogen, um uns dort das Royal Totos Kinderheim für HIV positive Kinder anzuschauen.
Auch hier konnten wir viele Eindrücke mitnehmen und einen guten Einblick gewinnen in den Aufbau dieser noch jungen Station. Durch eine Stationsführung, eine Präsentation und ein Seminar der Ngechek Mitarbeiter, konnten wir viel über die große Tragödie AIDS in Afrika erfahren und live miterleben wie dankbar und voller Lebensfreude die Kinder trotz ihrer Krankheit ihren Alltag leben.
Zum Abschluss unserer Reise fuhren wir über das grandiose Kerio Valley an das Vogelparadies Lake Baringo. Dort hatten wir für zwei Tage Ferienhäuser gemietet. Bei einer morgendlichen Bootstour bestaunten wir Flusspferde und Krokodile und am Nachmittag ließen wir es uns am Pool und bei leckerem Essen gut gehen. Bei der abendlichen Abschiedsrunde zogen wir alle ein positives Faszit, jeder der Besucher hatte seinen eigenen Korb mit Erinnerungen gefüllt und gemeinsam haben wir eine wunderschöne Zeit erlebt. Jeder unserer Besucher, ging mit dem Wunsch wieder zu kommen und indem wir füreinander beteten ließen wir unsere Freizeit langsam ausklingen.
Am nächsten Tag stand noch einmal eine anstrengende Fahrt nach Nairobi an, aber das nimmt man doch gerne in Kauf wenn, wie einige behaupteten, die Kenianischen Straßen tatsächlich dazu beitragen die Attraktivität des beim sitzen meistbeanspruchtesten Körperteils zu erhöhen.
In Nairobi angekommen ließen wir es uns bei exotischem Fleisch und leckeren Beilagen noch einmal richtig gut gehen, bevor wir am Flughafen entgültig Abschied nehmen mussten. Ob die Tränen aus Müdigkeit, oder aus Abschiedsschmerz vergossen wurden ließ sich in dieser Nacht nicht mehr ganz unterscheiden. Wir waren erschöpft, traurig, und irgendwie auch ein bisschen erleichtert, aber vor allem sehr dankbar für die Bewahrung auf den Straßen und die vielen tollen Begegnungen, die wir zusammen erleben durften!
Johannes Käser
Patenbetreuung DIGUNA Tinderet
------------------------------------
Hier einige Eindrücke von Teilnehmern aus der Freizeit
"Es hat mich sehr beeindruckt wie Gott, Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenführt und gebraucht mit den Fähigkeiten und Begabungen die jeder so hat.
Die vielen Eindrücke und Begegnungen mit Menschen die man nicht kennt und die dann plötzlich zu Freunden werden. Das highligt war natürlich das Treffen mit dem Patenkind und etwas Zeit mit Ihr zu verbringen. Man hat jetzt eine Vorstellung wie sie ist, lebt u.s.w. Und das letzte die traumhafte Landschaft, die so vielfältig ist und mitten drin die vielen lachenden Gesichter am Straßenrand. Ich kann jeden diese Reise empfehlen, Ihr werdet es nicht bereuen."
Galina Dück (45)
"Ich fand die Zeit echt wunderschön. Die ganzen Orte bzw. Landschaften, die wir besucht hatten, waren super ausgewählt. Es gab nix, wo ich sagen könnte, dass es uninteressant oder langweilig war. Vor allem die Zeit in Tinderet mit den Kindern war super. Da hätt ich auch echt noch länger bleiben können. Und am Lake Barringo war's auch wirklich schön. Das war so ein richtig schönes Ende von der Freizeit.
Am Pool liegen... einfach nur relaxen, das Erlebte en bisschen verarbeiten und die Natur genießen. Ausserdem vermisse ich die vielen Schlaglöcher beim Fahren! Dagegen is das Autofahren hier echt langweilig."
Stefanie Oelke (20)