Erfahrungsberichte

So war's: Patenfreizeit Tinderet 2014

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Im April machte sich ein 30-köpfige Gruppe auf nach Tinderet/Kenia um ihre Patenkinder zu besuchen.

Am 11. April 2014 war es endlich soweit. Ich reiste das zweite Mal nach Tinderet in Kenia, auf eine der zahlreichen Stationen des Missionswerks "DIGUNA - Die gute Nachricht für Afrika -". 

Bei meiner ersten Reise im Jahre 2009 lernte ich die Station DIGUNA Tinderet kennen, da mein Mann und ich unserer jüngsten Tochter einen 3-wöchigen Besuch abstatteten. Nach einem 3-monatigen Aufenthalt im Jahre 2005 in Mbagathi, kehrte sie 2008 zurück, um für ein Jahr in Tinderet zu arbeiten. Eines ihrer Arbeitsfelder war das Patenschaftsprogramm im „Regenbogen Kinderheim“ (genaue Bezeichnung: Rainbow Children's Home & School)  In diesem Jahr nun begab ich mich, allerdings ohne meinen Mann, nach Tinderet. Ich war Teil einer buntgemischten 29-köpfigen Gruppe im Alter von 11 bis 63 Jahren, die aufbrach, um in diesem Kinderheim ihre Patenkinder zu besuchen.

Die Station von DIGUNA in Tinderet liegt im Hochland auf 1800 m Höhe am Äquator und befindet sich im Westen Kenias, in der Rift-Valley-Provinz. Die Region um die Station herum besteht aus einer üppigen Vegetation, mit grünen Wiesen, unterschiedlichen Laub- und Nadelhölzern und Teeplantagen eingebettet in der roten Erde Afrikas und hohen Gebirgszügen.  Trotz der großen Regenzeit war das Klima während dieser Reise sehr angenehm. Nachts fiel manchmal sehr viel Regen und es gab hin und wieder auch ein Gewitter. Tagsüber gab es kräftige aber relativ kurze Regenschauer, die oft mit Sonnenstrahlen begleitet wurden. Morgens, abends und in der Nacht war es angenehm kühl und tagsüber lagen die Temperaturen immer zwischen gefühlten 25° und 30°. 

Ich bewohnte mit 7 anderen Personen aus unserer Gruppe eine Haushälfte eines von mehreren  Gästehäusern auf der oberen Ebene der Station. Dort befinden sich auch die Häuser bzw. die Wohnungen der Mitarbeiter und die „Dining Hall“. In der „Dining Hall“ nahmen wir u.a.  auch den größten Teil der gemeinsamen Mahlzeiten ein.

Auf der unteren Ebene der Station liegt das Kinderheim mit den 7 verschiedenen Heimen, in denen jeweils 24 Kinder, meist Waisen oder Straßenkinder, ein neues Zuhause gefunden haben und mit ihren Heimeltern in Familiengruppen leben. Außerdem befinden sich dort auch der Kindergarten, die Schule und der große Spiel- und Sportplatz. Jeden Tag stand mehrmals der Besuch bei den Kindern auf dem Programm und wegen der ungewohnten Höhenlage kam ich deshalb immer wieder außer Atem.

Die Selbstversorgung für die zahlreichen Bewohner der Station ist zu einem großen Teil gewährleistet. Ein kleiner Bauernhof mit Schweinen, Kühen, Ziegen und Hühnern, ein Garten mit Gemüse- und Früchteanbau, wie z.B. Kohl, Mangos, Guaven, Bananen, Avocados und vielem mehr tragen zum täglichen Nahrungsbedarf bei. Im Sägewerk der Station wird für die Herstellung der hauseigenen Möbel das Holz ver- und bearbeitet. Weiterhin werden eine Elektro- und Autowerkstatt betrieben. Auf der Kaffeeplantage gedeiht der wohlschmeckende Kaffee, der für den eigenen Verbrauch nach dem Pflücken auch eigenhändig geröstet wird. Der Strom für die gesamte Station wird durch eine Wasserturbine erzeugt und das Trinkwasser stammt aus einer Quelle oberhalb der Station. Eine eigene Radiostation wird ebenfalls betrieben. Durch die vielen eingerichteten Versorgungsbereiche der Station schaffte DIGUNA zusätzlich auch viele Arbeitsplätze für  Kenianer. Durch die Löhne, die ihnen DIGUNA dafür zahlt,  ist ihre Existenz und die ihrer Familien gewährleistet. Die Zeit der Patenfreizeit war nicht nur mit Stunden des gemeinsamen Zusammenseins mit unseren Patenkindern und Gottesdiensten gefüllt, sondern auch mit zahlreichen Erkundungen in die nähere und weitere Umgebung. 

Wir besichtigten z.B. die Rainbow Polytechnik Berufsschule Tinderet von DIGUNA und erhielten Informationen über die dort stattfindenden Ausbildungskurse, die sich mittlerweile auf die Ausbildungsberufe für Maurer, Schreiner, Klempner, Mechaniker, Computer-Experten, Friseur und Schneider in Theorie und Praxis belaufen. Wir unternahmen Ausflüge in den Regenwald, nach Kisumu, zum Viktoriasee, nach Nakuru und zum Nakuru Nationalpark. Der Besuch der Station DIGUNA Nairobi/Mbagathi und die Elefanten-Aufzuchtstation in Nairobi standen am Ende unserer erlebnisreichen und mit zahlreichen Erfahrungen bestückten Reise. 

Die gesamte Organisation und außergewöhnliche Betreuung durch die Mitarbeiter hätte besser nicht sein können. Die Fahrten zu den einzelnen Zielen legten wir mit einem ca. 30-35jährigen ausgedienten aber wieder aufgearbeiteten Schulbus und einem der zahlreichen 50-60 Jahre alten LKW von DIGUNA zurück. Es erstaunte mich immer wieder, wie diese Fahrzeuge auch auf den holprigsten und manchmal kaum befahrbaren Straßen Kenias jedem Hindernis trotzten. 

Ich bin von dieser Reise insgesamt wieder sehr reich beschenkt nach Hause zurückgekehrt. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, Teil dieser wirklich tollen Gruppe zu sein. Keiner aus der Gruppe hat es gescheut, sich auf alles, aber wirklich alles einzulassen, auch wenn es Dinge gab, die schon einige Überwindungen gekostet hatten, wie z.B. die Benutzung der kenianischen Toiletten. Zu meinen schönsten und tiefgreifensten Erinnerungen, die mich immer wieder mit Freude erfüllen und nie in Vergessenheit geraten werden, gehören zum einen die fröhlichen Kinderherzen der Kinder, die im Kinderheim ein neues Zuhause und warmherzige Geborgenheit fanden, sich jeden Tag unter der liebevollen Betreuung aufs Neue positiv weiterentwickeln und frei entfalten können. Zum anderen die afrikanische Bevölkerung, die trotz ihrer Armut ihre fröhliche und positive Lebenseinstellung behalten hat und uns immer wieder außerordentlich freundlich gegenüber trat. 

 

 

M.R.

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